S-Bahn Hamburg - Ein Blick hinter die Kulissen

Damit der Betrieb der S-Bahn Hamburg tagtäglich reibungslos funktioniert, gibt es viele Tätigkeiten, die sich eher im Hintergrund abspielen. Dennoch sind gerade diese Dinge besonders ausschlaggebend für die Sicherheit, die im täglichen Fahrbetrieb oberste Priorität hat. Denn wer verantwortet zum Beispiel die Weichen und Signale, wer koordiniert den Gesamtbetrieb und wer prüft eigentlich, wie gut ein Zug noch bremsen kann?

Das S-Bahn Instandhaltungswerk Ohlsdorf - geprüft und gewartet

Im S-Bahnwerk Ohlsdorf werden alle Instandhaltungsarbeiten rund um die S-Bahnzüge vorgenommen. Hier wird jeder Zug und jeder einzelne Waggon in regelmäßigen Abständen genauestens auf seine Funktionalität geprüft und gewartet. Dabei werden zum Beispiel Laufwerkskontrollen, Bremsprüfungen und Fahrmotorentests durchgeführt. Auch Verschleißteile wie Luftfilter, Kohlebürsten der Fahrmotoren oder Schleifstücke von Stromabnehmern werden im S-Bahnwerk Ohlsdorf ausgetauscht. Zusätzlich werden defekte Fenster oder Sitze ersetzt, Graffitibeschmierungen beseitigt oder Lackierarbeiten vorgenommen. In der großen Werkhalle ermöglichen verschiedene Arbeitsebenen und leistungsstarke Drehgestell-Hebebühnen den leichten Zugang zum Fahrzeug, egal ob auf dem Dach oder an der Unterseite der Züge gearbeitet werden muss.

Die Stellwerke - Weichen und Signale

Insgesamt gibt es 17 Stellwerke bei der Hamburger S-Bahn, die den Zugverkehr regeln und sichern, das älteste aus dem Jahr 1921, das jüngste von 2008. Sie sind die Steuerzentralen für alle Weichen und Signale. Gibt es Fahrplanabweichungen oder Störungen im Bahnbetrieb, so sind die Fahrdienstleiter der Stellwerke besonders gefragt. In Absprache mit der Betriebs- und Servicezentrale werden die Züge disponiert, um so schnell wie möglich den Regelbetrieb wiederherzustellen. Im Bereich des Stellwerks „Hhs“ am Hamburger Hauptbahnhof werden die meisten Zugfahrten durchgeführt. Der Stellbereich dieses Stellwerks umfasst rund 14 Kilometer Strecke (vier davon im Tunnel) mit neun Stationen (fünf davon im Tunnel), 70 Weichen und 156 Signalen. Hier werden täglich etwa 1.100 Zugfahrten verzeichnet. In den Hauptverkehrszeiten sind sechs S-Bahn-Linien in beiden Richtungen im Zehn-Minuten-Takt unterwegs, das sind bis zu 72 Zugfahrten in der Stunde, also fährt rund alle 45 Sekunden ein Zug in den Hamburger Hauptbahnhof ein. Pro Tag wird vom Stellwerk aus etwa 16.400 Mal ein Signal auf Fahrt gestellt.

Silke Hinrichs ©

Die Betriebs- und Servicezentrale - hier laufen alle Informationen zusammen

Silke Hinrichs ©

Im November 2013 ist die Betriebs- und Servicezentrale (BSZ) aus dem Hamburger Stadtteil Altona nach Hammerbrook gezogen. Im Rahmen des Neubaus entstand hier für die S-Bahn Hamburg eine der modernsten Leitstellen Deutschlands.

Die BSZ mit ihren 18 Arbeitsplätzen, die mit 187 Monitoren für die Betriebstechnik ausgestattet sind, ist für den pünktlichen und reibungslosen Ablauf aller rund 1100 Zugfahrten täglich zuständig. Die rund 90 Mitarbeiter überwachen und koordinieren rund um die Uhr jeden Zug auf dem rund 145 km langen Schienennetz, jeden der 440 Triebfahrzeugführer, die 140 Fahrdienstleiter auf den 17 Stellwerken und beispielsweise auch jeden der 291 Zuganzeiger, Zugvoranzeiger und Abfahrtgleisanzeiger auf den Bahnsteigen der 68 Stationen. Dies geschieht mithilfe eines rechnerbasierten Informations- und Meldesystems (IMS), das an sämtlichen Arbeitsplätzen zur Verfügung steht und alle notwendigen Betriebsdaten in Echtzeit auf Monitore überträgt. Das System aktualisiert die Fahrgastinformationen auf den Zuganzeigern und automatisiert die Anschlusssicherung zu den Bussen im Hamburger Verkehrsverbund. Neben einer grafisch unterstützten Zug- und Fahrzeugdisposition verfügt das Leitsystem IMS auch über umfangreiche Prognose- und Simulationsmodi, mit denen die Mitarbeiter eine vorausschauende Disposition veranlassen und einen 90-minütigen Ausblick in die Zukunft simulieren können.

Im Störungsfall entscheidet die Betriebs- und Servicezentrale über Maßnahmen zur Weiterführung des Betriebes und Information der Fahrgäste. Hier zählt jede Sekunde, denn schnelle Abstimmungen sind notwendig, um die negativen Auswirkungen für die 271 Mio. Fahrgäste jährlich zu minimieren und möglichst schnell zum fahrplanmäßigen Tagesgeschäft zurückzukehren. Das ist vor allem im Fahrtakt der Spitzenzeiten eine schwierige Aufgabe, denn es muss besonders schnell gehandelt werden, damit sich Störungen nicht auf Folgezüge auswirken und eine Anschlusssicherung weiterhin gewährleistet werden kann. Tatkräftig unterstützt werden die Mitarbeiter in der BSZ durch die Kollegen der Servicezentrale, deren wichtigste Aufgabe es ist, die Fahrgast-Kommunikation nicht nur bei regulärem Verkehr aufrechtzuerhalten, sondern auch bei angespannter Betriebslage oder abweichenden Fahrplänen alle wichtigen Informationen über die Bahnsteiglautsprecher an die Kunden zu übermitteln.

In der Servicezentrale können die Mitarbeiter im Gefahrenfall auch das Anhalten einzelner Züge veranlassen; über den Zugfunk erreichen sie die Fahrzeuge im gesamten Streckennetz. Die Kundenbetreuung über die Notruf- und Informationssäulen, von denen in jeder Haltestelle mindestens eine zu finden ist, gehört ebenso zu ihren Aufgaben. Monatlich nutzen etwa 22.000 Fahrgäste die Möglichkeit, Informationen über die 140 Notruf- und Infosäulen einzuholen oder Rettungs- und Sicherheitskräfte anzufordern. Ein umfangreiches Kamerasystem ermöglicht zudem die Videobeobachtung aller Stationen mit ihren sicherheitsrelevanten Bereichen. 1024 Videokameras, teilweise mit spezieller Zoom- und Schwenktechnik ausgestattet, überwachen ganztägig das komplette Haltestellennetz der Hamburger S-Bahn. Davon sind 562 für die Triebfahrzeugführerselbstabfertigung im Einsatz. Weitere 462 Kameras werden zur Überwachung der Notruf- und Infosäulen, Fahrtreppen, Aufzüge und Fahrausweisautomaten auf den Stationen genutzt. Dank dieser großen Videopräsenz kann nicht nur die frühzeitige Erkennung und Beseitigung von Vandalismusschäden unterstützt, sondern auch in Gefahrensituationen gezielt Wach- und Sicherheitspersonal gerufen und eingesetzt werden.