S-Bahn Hamburg: Die Betriebs- und Servicezentrale

Hamburg, Mai 2011

Betriebsführung und Kundeninformation - Rund 80 Mitarbeiter im Einsatz

Mit über 1.200 Zugfahrten befördert die S-Bahn Hamburg GmbH auf sechs Linien werktäglich rund 700.000 Fahrgäste.

Die Betriebs- und Servicezentrale (BSZ) ist hierbei das „Herz“ der Hamburger S-Bahn. Rund 80 Mitarbeiter arbeiten hier rund um die Uhr im Schichtdienst. Hier laufen alle wichtigen Informationen über den aktuellen S-Bahn-Betrieb zusammen. Diese Informationen werden aus dem computergesteuerten Informations- und Meldesystem (IMS), eines der modernsten Betriebsführungssysteme Europas, übernommen. Es dient einerseits der Steuerung des Fahrgastinformationssystems mit 234 Zuganzeigern auf den Bahnsteigen und 17 Voranzeigern in den Zugangsbereichen der Stationen und andererseits der automatischen Zuglaufverfolgung der Darstellung der Betriebslage. Die Informationen aus dem IMS mit Datensichtgeräten stehen den Fahrdienstleitern zur örtlichen Zugdisposition auf allen 17 Stellwerken zur Verfügung.

Außerdem werden hier die Ursachen bei Verspätungen analysiert. Für alle Mitarbeiter und von allen Arbeitsplätzen in der Betriebszentrale einsehbar wird auf einer 3,00 mal 1,3 Meter großen Spezialleinwand eine zusammenhängende geografische Übersicht der aktuellen Betriebslage des Innenstadtnetzes der S-Bahn gezeigt. Zur Positionsbestimmung sind alle Züge mit Sendern ausgestattet, die dem Informations- und Meldesystem den Standort eines jeweiligen Zuges zusätzlich zur Stellwerksanzeige melden. Da dem System die Zugnummer und der Fahrplan bekannt sind, können so unverzüglich Abweichungen vom Fahrplan dargestellt werden.

Im Falle einer Störung werden so zeitnahe Entscheidungen über zu treffende Maßnahmen (z.B. Einrichtung eines S-Bahn-Ersatzverkehrs) ermöglicht und Fahrplanabweichungen so gering wie möglich gehalten. Auch die damit zusammenhängende Information der Fahrgäste wird zentral über die Betriebs- und Servicezentrale gesteuert.

Folgende Bereiche gehören zu der Betriebs- und Servicezentrale:

  • Der Netzkoordinator ist als Leiter der Betriebs- und Servicezentrale verantwortlich für den reibungslosen Ablauf innerhalb der einzelnen Schnittstellen. Bei Konfliktfällen obliegt ihm die Entscheidung zur weiteren Betriebsführung.
  • Die Notfallleitstelle informiert bei Betriebsstörungen externe und interne Einsatz- und Rettungskräfte, wie beispielsweise die Bundespolizei, die Feuerwehr und das Notfallmanagement der S-Bahn. So können unverzüglich Erstversorgungsmaßnahmen an Ort und Stelle zur Sicherheit der Fahrgäste und Einsatzkräfte eingeleitet werden. Darüber hinaus werden in der Notfallleitstelle alle Unregelmäßigkeiten im S-Bahnbetrieb dokumentiert und den zuständigen Stellen zur Behebung zur Verfügung gestellt.
  • Die Transportleitung überwacht kontinuierlich den Zugverkehr. Hier werden im Falle von Unregelmäßigkeiten die S-Bahnen und die Triebfahrzeugführer disponiert. Ziel ist es, eine möglichst hohe Qualität des S-Bahnverkehrs zu gewährleisten. Bei Störungen im S-Bahnverkehr werden hier die sogenannten Ersatzmaßnahmen, wie Busverkehre eingeleitet. Außerdem informieren sie die dezentralen operativen Stellen, wie z. B. die Örtlichen Aufsichten, damit auch hier eine zeitnahe Information der Fahrgäste erfolgen kann.
  • Die Zug- und Bereichsdisponenten überwachen anhand der IMS- Anzeigen den Soll-Ist-Verlauf der Zugfahrten im S-Bahn-Verkehr. So erkennen sie frühzeitig Trassenkonflikte. Bei Streckensperrungen vereinbaren sie mit der Transportleitung und den Fahrdienstleitern auf den Stellwerken betriebliche Maßnahmen. Darüber hinaus messen die mittels des IMS die Verspätungen und weisen sie den Ursachen zu.
  • Im ServiceCenter werden 61 S-Bahn-Stationen durch das computergesteuerte Serviceleitsystem (NIS2000) und das Zentrale Aufsichtssystem (ZAS) durch Kameras überwacht. Alle fahrgastrelevanten Einrichtungen wie Fahrtreppen, Fahrgastaufzüge, Fahrausweisautomaten und Informations- und Notrufsäulen werden über das ServiceCenter videotechnisch erfasst. Neben der Videoüberwachung wird hier rund um die Uhr die Fahrgastinformation zentral durchgeführt. Mit ihren technischen Systemen kann das ServiceCenter alle 61 Stationen mit Fahrgastinformationen versorgen. Bei Unregelmäßigkeiten können automatische Lautsprecherdurchsagen im Zyklus drei-, sechs- oder neunminütlich gestartet werden. Die individuelle Kundenbetreuung erfolgt über die Informations- und Notrufsäulen. Insgesamt befinden sich 157 Säulen auf allen Stationen, die direkt mit der Servicezentrale verbunden sind. Rund 10.000 Fahrgäste nutzen im Monat diesen Service, überwiegend zu Informationszwecken.

Im September 2001 wurde die Betriebs- und Servicezentrale in Betrieb genommen. Rund 21 Millionen Euro investierten die Stadt Hamburg, das Land Schleswig-Holstein und die S-Bahn Hamburg GmbH hierfür. Seitdem wird es laufend modernisiert und aktualisiert. Allein in 2009 wurden 2,5 Millionen Euro in das Serviceleitsystem investiert.